Mittwoch, 28. Oktober 2009

Der Moskowiter

Ich bin nun seit Mitte Mai in Moskau und habe überwiegend sympathische Moskowiter kennengelernt. Wie schon mal erwähnt gucken die Moskauer sehr grimmig, lächeln selten in der Öffentlichkeit und sind auch im Umgang miteinander eher rabiat und grob. Lernt man sie aber näher kennen, so sind es häufig sehr herzliche und angenehme Zeitgenossen. 

Da ist zum einen Vitaly, den ich während eines Projektes kennen gelernt habe. Mit ihm und weiteren Russen spiele ich seitdem regelmäßig Fussball. Nachdem ich Vitaly von meinem letzten Besuch in Bochum das neue VFL Auswärtstrikot mitgebracht habe, vergeht kein Spieltag, an dem er es nicht trägt. Nicht, dass er keine anderen Trikots hätte, aber ich glaube, er fände es mir gegenüber unhöflich, es nicht zu tragen. Mit seiner Leidenschaft für den VFL hat das sicherlich nix zu tun, denn von diesem Verein hat er noch nie gehört. "Es sei so schön bequem", sagt er mir immer nur. Vitaly ist auch immer besorgt um mein Wohl. Nach dem WM-Qualifikationsspiel der Deutschen gegen Russland hier in Moskau, bei dem wir uns zufällig unter 70.000 im Stadion getroffen haben, hat er meinen deutschen Kollegen und mich nach Hause gefahren, da er in Sorge war, dass uns etwas passieren könnte. 

Dann wäre da Andrey, mein Russischlehrer. Immer gut drauf, immer ein Lächeln im Gesicht. Seine Muttersprache vermittelt er mit soviel Leidenschaft und Freude, dass ich ein schlechtes Gewissen hätte, wenn ich unvorbereitet zum Unterricht erscheinen würde. 

Oder dieser Taxifahrer, von dem ich leider nicht mehr den Namen weiss. Ein echt interessanter Typ, aber seht selbst...
Man muss vielleicht noch dazu sagen, dass "Taxifahren" für viele Moskowiter ein kleiner Nebenerwerb ist. Es gibt zwar auch offizielle Taxen, aber in der Regel stellt man sich bei Bedarf an die Straße und hält die Hand raus. In Kürze halten drei, vier Autos. Man verhandelt den Preis und wenn es passt, dann steigt man ein. Bis jetzt habe ich dabei durchweg nette Typen kennen gelernt.

So gibt es sicherlich noch viele weitere Beispiele für sympathische Moskowiter! Bei Zeiten mehr dazu.

Dienstag, 27. Oktober 2009

Verrückte Stadt!

"Es ist nicht alles Gold, was glänzt." Dieses alte Sprichwort trifft auch gut auf die russische Metropole zu. Bei allem Spannenden, Aufregenden und Schönen, was Moskau zu bieten hat, gibt es doch auch einiges an dieser Stadt auszusetzen. Manches ist für mich geradezu unverständlich. So gibt es hier bspw. einen fixen Termin, ab wann im Jahr die Heizung angestellt wird. Nicht auf ein Haus bezogen, sondern auf alle Gebäude in Moskau. Na gut, denkt man sich vielleicht, wo ist das Problem? Das Problem ist, dass man in den Wohnungen die Heizkörper nicht regeln kann. D.h. ist es mir zu warm, kann ich nur Abhilfe schaffen, in dem ich die Fenster öffne und die Wärme hinauslasse. Absurd! Russlands Beitrag zum Energie sparen. Aber Energie haben sie ja auch noch genug. Es gibt eine Vielzahl weiterer Dinge, die einem hier mehr als "russisch" vorkommen oder schlichtweg völlig absurd sind. Es regt sich aber kaum einer auf. Man hat es ja nicht anders gelernt und ist es gewohnt, das der Staat die Bürger lenkt. Zu viel Demokratie - "das is nix" würde mein Arbeitskollege sagen. 

Zu bestimmten Anlässen wie bspw. dem Geburtstag der Stadt, der am 03. September auf und um den roten Platz herum groß gefeiert wird, bekommt man nirgendwo auch nur einen Tropfen Alkohol. Man könnte ja nun meinen, dass die Moskauer sich darüber aufregen. Aber weit gefehlt. Sie sind sogar mehrheitlich froh darüber, da sie wissen, dass so ein Fest schnell völlig ausser Kontrolle geraten könnte. Sicherlich sind nicht alle Moskauer Säufer, aber nicht selten liegt schon früh am morgen in der Metro ein Hauch von Alkohol in der Luft, manchmal auch ganze Schwaden, so dass einem selbst schon ganz schummrig wird. Und nach der Arbeit ist das Thema Alkohol allgegenwertig. 

Und noch ein Beispiel für das "verückte" Moskau. Als mich mein Freund Christopher im September hier besuchte, brachte er auch seine Schwimmsachen mit. Nichts ungewöhnliches, denn er schwimmt nun mal gern und geht auch in Bochum regelmäßig ins "Blau Weiss". Nun, auch in Moskau gibt es Freibäder und in unserer Nähe sogar ein ganz bekanntes, das Tchajka. Dass Wetter Anfang September war herrlich, Christopher packte Handtuch und Badehose ein und auf ging es. Zunächst war der Gesundheitscheck angesagt. Pflichtprogramm! Der dortige Mediziner stellte ihm hierfür die alles entscheidende Frage: "Haben sie irgendwelche Beschwerden oder Krankheiten?" Christopher verneinte und für umgerechnet 15,- Euro erhielt er den notwendigen Gesundheitsnachweis. Damit war man aber noch nicht "drin". Das kostete dann noch mal 15,- Euro, da man passend zur Krise die Eintrittspreise auf 15,- Euro verteuert hat. Verrückt!

Überhaupt frage ich mich hier oft, wer kann dass alles bezahlen. Sicherlich, es gibt hier viele Reiche und Superreiche. Aber von den offiziell 10,5 Millionen leben mehr als 1,5 Millionen unter dem Existenzminimum, das bei umgerechnet gut 160,- Euro liegt. Auch die breite Masse ist nicht in der Lage, die bspw. hier aufgerufenen Mietpreise zu bezahlen uns wohnt vielfach in den Plattenbauten der Moskauer Randbezirke. Viele Wohnungen in der City stehen leer. Kein Wunder! Wundern muss man sich allerdings, dass die Preise trotzdem nicht gesenkt werden. Irrational? Durchaus! Dazu passt dieser Artikel aus der Brand eins vom Oktober diesen Jahres http://www.brandeins.de/archiv/magazin/stadt/artikel/ich-sehe-was-was-du-nicht-siehst.html , der einen kritischen Blick auf die "Moskauer Scheinwelt" wirft.

So erlebe ich hier täglich Dinge, die mich zum Kopfschütteln bewegen. Manches nehme ich mit Humor, anderes treibt mir die Zornesröte ins Gesicht. Abers so ist das nun mal hier, in "meinem" Moskau.   


Dienstag, 18. August 2009

Architektur

Für mich ist die russische Metropole eine Stadt, für die man den "zweiten Blick" braucht, um ihre Schönheit zu erkennen. Ich habe von vielen gehört, die beruflich vielleicht zwei bis drei Tage in der Stadt waren, dass ihnen Moskau nicht gefällt, ja, sie es sogar hässlich finden. Mein erster Eindruck nach der Ankunft war ja auch nicht der Beste. Mittlerweile jedoch würde ich fast sagen, ich bin ein wenig verliebt in diese Stadt, die man so wenig mit anderen Metropolen vergleichen kann.





Die Architektur könnte vielfältiger nicht sein http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,566070,00.html 
Neben hochmodernen Gebäuden tauchen plötzlich kleine prunkvolle Basilikas auf, typische Plattenbauten stehen hinter prunkvollen Palästen, die "Stalin Schwestern" habe ich ja schon kurz erwähnt. Natürlich nicht zu vergessen der Rote Platz mit der fast unwirklich erscheinenden Basiliuskathedrale. Kleine Anekdote dazu: Seit Matthias Rust 1987 mit seinem Sportflugzeug auf dem Roten Platz gelandet ist, wird dieser von der Moskauer Bevölkerung ironisch auch als Scheremetjewo 3 bezeichnet (in Anspielung auf die Moskauer Flughäfen Scheremetjewo 1 und 2).


Ich mag diese Stadt!

Freitag, 14. August 2009

Metro














Die Moskauer Metro zählt zu den schönsten und sichersten der Welt. Schön finde ich sogar noch untertrieben, und ich habe bisher noch nicht mal einen Bruchteil der Stationen gesehen. Jede Station ist anders und erinnert an ein Museum. Gold, Marmor, Statuen, Kronleuchter und Malereien. Aber seht selbst, ich habe einige Bilder aus dem Untergrund zusammengestellt.










































































Unsere Station "Smolenskaya" (blaue Linie 3) ist ca. 5 Minuten von unserem Wohnhaus entfernt. Ein 60iger Ticket kostet 860 Rubel, ca. 19,- Euro oder 30 Cent pro Fahrt. Die Fahrt zu unserer Arbeit (Metrostation Baumanskaya) dauert ca. 15 Minuten. Die Metros, die im Minutentakt fahren, brettern mit bis zu 70 KM/H durch die Dunkelheit. Und gerade zu den Stosszeiten, wenn es richtig voll ist und man von den Körpern um einen herum gehalten wird, dann wird einem schon ein wenig mulmig. Die Russen störts nicht, der Ein- oder Andere liest sogar dabei noch ein Buch. Auch wenn die Zielstation erreicht ist, die Türen sich öffnen und die Menschenmassen den Rolltreppen entgegen strömen, kommt keine Panik auf. Gelassen ordnet man sich in der Schlange ein, nicht aber ohne eine frei werdende Lücke sofort aufzufüllen. 

Nun kommt eine meiner Lieblingsbeschäftigungen, das Rolltreppe fahren und dabei Menschen beobachten. Angefangen bei den älteren russischen Damen, die am Fuße der Rolltreppe in ihrer Kontrollkabine sitzen und darüber wachen, dass die Rolltreppe auch rollt (der Versuch, diese Hüterinnen in Uniform zum Lächeln zu bewegen, ist bisher kläglich gescheitert. Aber ich bleibe dran....).  In der Öffentlichkeit Lächeln scheint bei allen Russen eher etwas verpönt zu sein. Irgendwo habe ich sogar gelesen, dass es als Zeichen von Verrücktheit interpretiert wird. Aber nicht falsch verstehen, die Russen können durchaus lächeln und sehr lustig sein. Es braucht nur etwas Zeit und vielleicht ein paar Wodka!